Ein Wochenende voller Spannung, Emotionen und Nervenkitzel liegt hinter den Luftpistolenschützen des SV Hitzhofen-Oberzell. Am letzten Wettkampfwochenende der Schießsportbundesliga im schwäbischen Scheuring fiel die Entscheidung über den Verbleib in der höchsten deutschen Liga – und sie hätte dramatischer kaum sein können.
Klare Ausgangslage vor dem Wochenende
Die Rechnung vor dem finalen Doppelwettkampf war einfach: Wollte das Team um Trainer Walter Sbarra und Spitzenschütze Paul Fröhlich den Klassenerhalt aus eigener Kraft sichern, musste aus den letzten beiden Begegnungen der Hauptrunde 2025/26 mindestens ein Sieg her. Andernfalls wäre man auf Schützenhilfe der Konkurrenz angewiesen.
Zum Auftakt wartete mit der SSG Fürth am Samstag ein besonders schwerer Gegner. Die Franken, im Vorjahr noch Südmeister der Liga, standen trotz bislang nur zweier Siege aufgrund mehrerer knapper Niederlagen gefährlich nahe an der Relegationszone. Dass diese Partie kein Selbstläufer werden würde, zeigte sich bereits im Vorfeld.
Ersatzgeschwächter SVHHO unterliegt Fürth
Erschwert wurde die Aufgabe zusätzlich durch den Ausfall des italienischen Topschützen Matteo Mastrovalerio, der sich zeitgleich im Training mit der italienischen Nationalmannschaft befand. Während Fürth in Bestbesetzung antrat, gingen für den SVHHO Paul Fröhlich, Stefan Negler, Andrea Fröhlich, Sarah Paul und Kilian Gruber an die Schießlinie.
In den Einzelduellen mussten die Hitzhofener dabei meist den Kürzeren ziehen. Kilian Gruber (361:371 gegen Cora Dörr), Sarah Paul (368:375), Stefan Negler (369:376) und Andrea Fröhlich (373:377) unterlagen ihren Gegnern. Lediglich Paul Fröhlich konnte mit einem knappen 381:379-Erfolg gegen Sören Korn den Ehrenpunkt sichern. Die 1:4-Niederlage hatte zur Folge, dass der SVHHO vor dem letzten Wettkampf auf Rang zehn abrutschte – punktgleich mit der HSG München, aber noch mit der besseren Einzelpunktedifferenz.
Entscheidung vertagt: Niederlage gegen Waldkirch
Am Sonntag kam es dann zum alles entscheidenden Wettkampf gegen den Tabellendritten aus Waldkirch. Die Ausgangslage war klar: Ein Sieg hätte den Klassenerhalt endgültig gesichert. Doch der enorme Druck war dem Team anzumerken.
Trotz zweier Einzelsiege musste sich der SV Hitzhofen-Oberzell mit 2:3 geschlagen geben. Paul Fröhlich setzte sich souverän mit 382:376 gegen Alexander Kindig durch. Andrea Fröhlich gewann ihr Duell gegen die Deutsche Meisterin Theresia Baamann nach einem Stechschuss, den sie klar mit 10:8 für sich entschied. Da jedoch Stefan Negler (375:379 gegen Luca Joldea), Sarah Paul (362:370) und Kilian Gruber (351:362) ihre Duelle verloren, war klar: Nun musste ein Sieg der SSG Fürth gegen die HSG München her.
Zittern bis zum letzten Stechschuss
Mit Spannung und einem Gefühl der Machtlosigkeit verfolgten Mannschaft und Fans des SVHHO das entscheidende Duell zwischen Fürth und München. Lange Zeit sah es nicht gut aus: München führte zwischenzeitlich, zwei Einzelpunkte schienen bereits sicher, ein dritter wechselte mehrfach.
Das Schlüsselduell zwischen Olena Kostevych (München) und Sören Korn (Fürth) entschied sich erst kurz vor Schluss zugunsten der Franken (378:377). Gleichzeitig glich München durch einen Sieg auf Position fünf wieder aus. Da auch die Duelle auf Position zwei und drei geteilt wurden, musste ein letztes Einzelmatch die Entscheidung bringen – inklusive Stechen.
Im Duell zwischen Münchens Dominikus Lindner und Fürths Martin Raabe kam es nach einem 368:368-Ringgleichstand zum Stechschuss. Die Spannung in der Halle war greifbar, beide Schützen sichtbar nervös. Lindner schoss zuerst und traf nur eine Vier, Raabe antwortete mit einer Acht. Der Sieg ging an die SSG Fürth – und damit stand fest: Der SV Hitzhofen-Oberzell bleibt in der Schießsportbundesliga.
Platz zehn in der Abschlusstabelle reichte aus, um nach der Relegation im Vorjahr diesmal den direkten Klassenerhalt zu schaffen.
Selbstkritisches Fazit und Blick nach vorne
Dabei waren die Ziele vor der Saison eigentlich andere gewesen. Mannschaft und Verantwortliche wollten um einen Platz unter den besten vier Teams kämpfen. Entsprechend ehrlich fiel das Fazit von Trainer Walter Sbarra aus:
„Rückblickend können wir mit dem Wochenende nicht zufrieden sein. Wir haben zwar den Klassenerhalt geschafft, aber leider nicht nur auseigener Kraft. Das Team hat deutlich mehr Potenzial als der abschließende Tabellenplatz widerspiegelt. Um die guten Einzelleistungen in Siege umzusetzen muss die Mannschaft noch enger zusammenwachsen, um das Potenzial über die ganze Saison abrufen zu können.“
Gleichzeitig richtet sich der Blick bereits nach vorne:
„Wir werden Lösungswege finden um die neue Saison mit frischer Motivation und neuen Zielen in Angriff zu nehmen.“
Der SV Hitzhofen-Oberzell bedankt sich bei allen mitgereisten Fans und Unterstützern für die großartige Unterstützung an diesem nervenaufreibenden Wochenende.
